Eines Tages wird Mirza von seinem Vater in der Schule abgeholt. Von da an ist alles anders. Der Vater flüchtet zurück in sein Herkunftsland, um einer Strafe zu entgehen. Eine Welt zerbricht für Mirza. Er muss alles ohne Abschied zurücklassen, vor allem seinen engen Freund Lukas. Alles ist jetzt neu für ihn: Das Haus, in dem sie wohnen, die Kinder in der Schule, eine Sprache, die er nicht versteht, es gibt sogar Tiere, die ihm fremd sind. Als er sich mit Selin anfreundet, beginnt Mirzas Welt von Tag zu Tag wieder ganz zu werden.
In kurzen, berührenden Sätzen erzählt Enne Koens über Flucht, Fremdsein und das Sich-Zurechtfinden in einer neuen Kultur. Die Zerrissenheit, in der sich Mirza befindet, wird durch imaginierte Zwiegespräche mit seinem Freund besonders erlebbar. Dass die Autorin das väterliche Heimatland als fiktiven Staat mit unbekannten Ritualen beschreibt, in dem die Menschen Levarisch, eine Kunstsprache, sprechen, verstärkt das Gefühl der Fremdheit auf eindrückliche Weise. Marcella Danelli