Donald Trump, Queen Elizabeth II., Kleopatra und Louis XIV. sind vier der Herrschenden, welche das Cover zieren und für politische Macht stehen. Dem Begriff «Macht» geht die Autorin genauestens auf den Grund: Wie entsteht sie? Wie wird man Anführer:in? Caroline Stevan nimmt einen mit auf eine Zeitreise, während derer sie vom ersten Kaiserreich Chinas erzählt, vom Inka-Reich oder vom Volk der Kuya in der Elfenbeinküste. Ihr Augenmerk liegt dabei auf der Organisation und Struktur der jeweiligen Gemeinschaft. In vierzehn Porträts werden dreizehn ehemalige Oberhäupter und ein aktueller Präsident vorgestellt. Barometer veranschaulichen den Führungsstil der einzelnen Personen: «eher demokratisch», «autoritär» und «dazwischen». Ein Kapitel widmet sich ausschliesslich dem Thema «Diktatur». Von Propaganda über Personenkult bis hin zu verschiedenen Spielarten der Diktatur wird anhand berühmter Beispiele auf ihre Merkmale und Methoden eingegangen. Darauf, dass aktuell nicht wenige Demokratien zum Autoritarismus tendieren, weist Stevan sachlich und neutral hin, ebenso wie sie erwähnt, dass es selbst in den am besten organisierten Ländern Minderheiten gibt, die von Mitbestimmung ausgeschlossen sind. Ein Glossar, ein Quiz, ein Bilderrätsel und sogar ein Psycho-Test schliessen dieses umfassende Werk ab.
Wenn Namen wie Orbán, Putin und Netanjahu einem täglich in der Presse begegnen, kommt ein Buch wie «Wer hat hier das Sagen?» gerade zur richtigen Zeit. Es informiert, klärt auf, ergründet. Es ist ausführlich und genau. Jeder Aspekt wird beleuchtet, jeder noch so dünnen Verästelung wird nachgegangen, bis hin ins Tierreich oder zur Sprachbetrachtung (bspw. «HERRschen»). Insgesamt ist die Thematik nicht gerade ermutigend. Doch Stevan versäumt es nicht, etwas Hoffnung zu verbreiten, indem sie Utopien wie die Kinderrepublik vorstellt und Gesellschaften präsentiert, die ein komplett anderes System haben. Zusammen mit den bunten, comicartigen Illustrationen von Elina Braslina ein grossartiges Werk! Sandra Dettwyler