Eine Mutter erzählt, wenn ihr Kind jetzt im Besucherzimmer wäre – ohne Justizbeamte –, dann würde sie sich das kuschlige Kissen schnappen. Ein Mann namens Barbarossa strukturiert sich seine Zeit mit Brettspielen, und eine afroamerikanische Inhaftierte fürchtet, dass auch ihre zukünftigen Kinder von Diskriminierung betroffen sein könnten.
Die starke, meist schwarz-weisse Graphic Novel lässt Insassen verschiedener Anstalten ihre Geschichte erzählen. Zwei Jahre lang besuchte die Autorin und Illustratorin Gefängnisse und sammelte Erlebnisse, Gedanken und Gefühle der Inhaftierten. Von der Gesellschaft fallen gelassen und ignoriert gerieten sie als Jugendliche oft in einen Teufelskreislauf, der sie in den Arrest führte. Zum Teil liess Thoma sie die Bilder im Buch auch selbst zeichnen. So entstand eine eindrückliche Dokumentation aus ihrem Alltag zwischen Zelle, Arbeit und Therapie – und die schwierige Vorbereitung auf die Resozialisierung. Ein aufrüttelndes Buch. Christina Weirich