Aufrecht steht er da, er lauscht einem Vogel und lächelt. Da wird er rüde zu Boden geworfen. «Der König kommt!», herrscht die Wache ihn an. Er solle sich zu Boden werfen. Alle halten sich an diese strenge Ordnung. Doch der drahtige Mann lauscht einfach weiter und wagt es gar, der Wache sanft zu widersprechen. Psst, er könne den Vogel sonst nicht mehr hören. Die Wache führt ihn ab und er landet im Folterkeller des Königs.
Die kraftvollen Kontraste aus Rot-, Schwarz- und einigen Grautönen verleihen dem eindringlichen Text eine wuchtige Dichte. Von der Enge der Gefangenschaft und Weite des zarten und doch unerschütterlichen Widerstandes erzählen die Bilder und lösen damit Gefühle aus, die weit über den Text hinausgehen. Dieser stellt gerade durch seine Einfachheit und Schlichtheit tiefe Fragen: Wie weit ist man bereit zu gehen und für die eigenen Werte einzustehen? Ein behutsamer, aufrüttelnder Appell, nicht alles hinzunehmen in einer Welt, in der das Autoritäre wieder an Macht gewinnt. Christina Weirich