Hundertsiebenundachtzig Tage

Was ist los, wenn man von einem auf den anderen Tag nicht mehr das Haus verlassen kann? Der namens- und geschlechtslose Protagonist leidet am Höhlensyndrom und kommt seit 187 Tagen nicht mehr aus dem Haus. Nähert er sich der Haustür, reagiert sein Körper mit Panikattacken. In kurzen Kapiteln, die rückwärts gezählt werden, wird der Tag erzählt, an dem der Protagonist sich der Welt ausserhalb wieder stellen will. Dabei erfährt man seine Gedanken und Gefühle und in Rückblicken, was vorher geschehen ist.

Der Text schafft es, durch direkte und zugängliche Sprache ein ernstes und schambehaftetes Thema eindringlich und einfühlsam in den Fokus zu rücken. Es hat etwas Poetisches, wenn mit der Auflösung aller Rechtschreibregeln und Satzstrukturen die Momente des emotionalen Ausnahmezustandes beschrieben werden. Gleichzeitig wird so die tiefe Verunsicherung aller Beteiligten nachvollziehbar. Eine lohnende Lektüre mit genügend Impulsen und Freiraum für Denkanstösse und Austausch in Gruppen. Katrin Rutner

Titel Hundertsiebenundachtzig Tage
Autor:innen Lecomte, Ludovic
Kollation A. d. Französ. v. N. Püschel, Broschur, 112 S.
Verlag, Jahr mixtvision , 2026
ISBN 978-3-95854-254-9
Kategorie Belletristik
Schlagwort Identität / Krankheit
Bewertung
Rezension publiziert 09.04.2026