Rezensionsdatenbank Info


Anzahl Resultate: 9
Titel: Der Himmel hat seine Vögel genommen und ist gegangen
Kollation: Geb., 282 S.
Verlag, Jahr: Jungbrunnen, 2020
ISBN: 978-3-7026-5942-4
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Entwicklung, Identität
Alter: junge Erwachsene
Bewertung:
2 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 30.06.2020
Der Himmel hat seine Vögel genommen und ist gegangen
Frida und die Zwillinge Karl und Jim kennen sich seit ihrer Kindheit, sind zusammen aufgewachsen. Doch der diesjährige gemeinsame Urlaub beider Familien in Portugal droht alle bisherige Kontinuität und Stabilität des Trios zu verändern, denn neuartige Gefühle erwachen bei den Jugendlichen, und diese sind nicht immer klar oder beruhen auf Gegenseitigkeit. So hegt Karl zarte Gefühle für Lili. Jim fühlt sich ausgeschlossen und Frida entwickelt Gefühle für Karl, benutzt aber den ruhigen Jim als Ersatz. Alles steht kopf, könnte man sagen.
> Die Wirren der neuen Gefühle sind für die 16-Jährigen schwer einzuordnen, so auch für die Lesenden, obwohl die aus der Ich-Perspektive eines jeden einzelnen Protagonisten erzählte, dialoglastige Geschichte grosse Nähe zu- und an intimen Situationen und Gefühlen der Jugendlichen teilhaben lässt. Dennoch vermag keine der Figuren die Sympathie des Lesepublikums zu erringen. Der umfangreiche Coming-of-Age-Roman bleibt distanziert und ist keine leichte Lektüre. Christina Weirich

Titel: Anna und Anto – Plötzlich anders
Kollation: Broschur, 222 S.
Verlag, Jahr: Planet!, 2020
ISBN: 978-3-522-50665-6
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Identität, Pubertät
Alter: ab 13
Bewertung:
2 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 02.06.2020
Anna und Anto – Plötzlich anders
Anna möchte so gerne viel mehr Zeit mit Maxim, dem besten Freund ihres Zwillingsbruders Anto, verbringen. Gleichzeitig möchte Anto so viel lieber am Schulprojekt von Anna teilnehmen als an seinem eigenen. (Er muss sich während einer Woche um einen Babysimulator kümmern.) Da passiert es plötzlich, dass die beiden im Körper des anderen aufwachen. Anna kann nun sehr viel Zeit mit Maxim verbringen. Doch das ist ganz schön kompliziert. Und wird noch komplizierter, als sie ihn küsst. Auch Anto hat seine liebe Mühe mit seinem "neuen" Körper. Er bekommt seine Tage ...
> Dieser turbulente Rollentausch wird aus Annas Perspektive erzählt. Der dialogreiche Text ist leicht zu lesen und mit vielen Ausdrücken aus der Jugendsprache versehen. Das Buch ist voller Situationskomik und bringt Leser*innen bestimmt an der einen oder anderen Stelle zum Lachen. Es kann aber auch zum Nachdenken über Geschlechterrollen und Identität anregen. Karin Böjte

Titel: Carla Chamäleon – Oh Schreck, ich bin weg!
Reihe: Carla Chamäleon 1
Kollation: Geb., s.w. illustr., 237 S.
Verlag, Jahr: Rowohlt, 2020
ISBN: 978-3-499-21847-7
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Fantasie, Identität
Alter: ab 10
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 27.05.2020
Carla Chamäleon – Oh Schreck, ich bin weg!
Carla lebt in einer total schrägen Familie. So bringt die Mutter pflegebedürftige Tiere aus dem Zoo mit nach Hause und der Vater übt für Auftritte mit der Fahrradklingel. Doch damit nicht genug: Seit dem neuen Schuljahr passiert es Carla immer wieder, dass sie wie ein Chamäleon mit der Umgebung verschmilzt. Carla ist das unheimlich, Jole findet es super. Super findet das auch ein Geheimbund, welcher Carlas Fähigkeiten für seine Missionen nutzen möchte.
> Die Geschichte sprüht vor Fantasie und absurden Situationen. Bisweilen überstürzen sich die Ereignisse, wobei ein logischer Ablauf nicht immer klar erkennbar ist. In der Situationskomik stört dies jedoch kaum. Trotz Fantasie und Witz wirkt die Handlung nicht oberflächlich und es werden auch tiefergehende Themen wie Freundschaft und Identitätsfindung aufgegriffen. Schwarzweisse Illustrationen unterstreichen die Handlung und regen zusätzlich zum Schmunzeln an. Im Gesamten ein vergnügliches Leseabenteuer mit einer liebenswerten Heldin. Kathrin Papritz

Titel: Der Katze ist es ganz egal
Kollation: Geb., farb. illustr., 94 S.
Verlag, Jahr: Klett, 2020
ISBN: 978-3-95470-231-2
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Identität, Transgender
Alter: ab 10
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 05.05.2020
Der Katze ist es ganz egal
"Leo ist kein schlechter Name, aber er ist falsch ..." Das spürt Leo und erklärt, dass er nun Jennifer heisst und ein Mädchen mit Penis ist. Damit haben seine Katze und seine Freunde kein Problem. Doch Leos Eltern und Grosseltern tun sich schwer. Nachdem Leo einen Streit zwischen seinen Eltern gehört hat, schwänzt er mit Stella die Schule. Bei ihr darf er die Jennifer sein, inkl. Glitzerballerinas und Hochsteckfrisur. Doch das reicht nicht. Ein Plan muss her, damit auch die Eltern Jennifer annehmen können. Schliesslich muss doch jeder sich selbst sein dürfen!
> Das Thema Transgender wird hier konsequent aus der Perspektive eines Kindes beschrieben: ohne Scham und mit viel Humor. Dazu passen die witzigen und teils erklärenden Illustrationen hervorragend. Vereinzelt kommen wienerische Ausdrücke vor, die direkt neben dem Text übersetzt werden. Ein unterhaltsames und berührendes Buch, das Mut macht, zu sich zu stehen. Für jüngere Kinder ist es gut zum Vorlesen und gemeinsamen Diskutieren geeignet. Karin Böjte

Titel: Acht Wochen Wüste
Kollation: A. d. Engl., geb., 333 S.
Verlag, Jahr: Magellan, 2019
ISBN: 978-3-7348-5042-4
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Identität
Alter: junge Erwachsene
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 13.03.2020
Acht Wochen Wüste
Mitten in der Nacht wird Wren von der Polizei abgeholt und in ein Therapie-Camp in der Wüste Utahs gebracht. Das Leben in der Wildnis ist hart. Anfangs, als Kaninchen, wird Wren von der Gruppe isoliert. Sprechen darf sie mit den anderen Mädchen erst nach ihrem Aufstieg zum Kojoten. Doch um dies zu erreichen, muss sie selber Feuer machen können. Ein Schlüsselerlebnis sind die Tage, in welchen Wren ganz alleine in der Wüste überleben muss.
> Wren erzählt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive. Es gibt immer wieder Rückblenden, welche aufzeigen, warum sie derart die Kontrolle verloren hat. Wichtig ist jedoch der innere Weg, welchen Wren im Camp gehen muss. Und dieser Weg ist steinig. Lesende erleben Wut und Verzweiflung wie auch erste Anzeichen von Glück hautnah mit. Ob der positive Verlauf von Wrens Geschichte realistisch ist, sei dahingestellt. Eindrücklich und realitätsnah sind Wrens Erlebnisse und Gefühle dennoch. Eine fesselnde Geschichte für ausdauernd lesende junge Erwachsene. Kathrin Papritz

Titel: Mirage – Die Schattenprinzessin
Reihe: Mirage-Trilogie 1
Kollation: A. d. Amerikan., geb., 364 S.
Verlag, Jahr: Heyne, 2019
ISBN: 978-3-453-27130-2
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 13
Bewertung:
2 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 28.10.2019
Mirage – Die Schattenprinzessin
In einer fiktiven Galaxie wird die Bauerntocher Amani von Androiden entführt. Fern von ihrem Heimatmond Cadiz kommt sie am Hof des skrupellosen Vath-Königs zu sich und erkennt warum: Sie könnte der eineiige Zwilling der verhassten Prinzessin Maram sein! Unter Zwang muss sich Amani mit Politik und Tradition ihrer Unterdrücker auseinandersetzen, um Maram an brenzligen Anlässen als Body-Double zu vertreten. Verzweifelt versucht sie, am Leben zu bleiben und ihre Identität zu wahren. Idris, der Verlobte der Thronfolgerin, deckt ihre Scharade auf und verliebt sich in sie.
> Der erste Teil des Romans überzeugt mit dem orientalisch-arabischen Aufbau und überrascht mit lyrischen Passagen. Das Setting bleibt in der Folge flach, der Plot wirkt vorhersehbar und die Lovestory unglaubwürdig. Es fehlt an Tiefe der – eigentlich – kontrovers angelegten Charaktere. Schade, wird das Potenzial des aufkeimenden Themas Rebellion nicht erzählerisch genutzt. Im Frühling 2020 erscheint der zweite Band der Trilogie. Nathalie Fasel

Titel: Was so in mir steckt
Kollation: A. d. Austral., geb., 348 S.
Verlag, Jahr: cbj, 2019
ISBN: 978-3-570-16553-9
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Entwicklung, Identität
Alter: ab 13
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 28.10.2019
Was so in mir steckt
Rob ist bis über beide Ohren in Destry verliebt. Weil er unter extremer Schüchternheit und Panikattacken leidet, fällt es ihm besonders schwer, ihre Aufmerksamkeit zu wecken. Zwar geben ihm sein geliebter, grantiger Grossvater, seine Mutter und sein einziger Freund Ratschläge, doch diese führen nicht zum Ziel. Plötzlich erhält Rob anonyme SMS, in denen ihm verschiedene Aufgaben gestellt werden. Dabei geht es um mehr, als ein Mädchen zu beeindrucken. Er muss lernen, sich selbst zu akzeptieren und wertzuschätzen.
> Erneut versteht es der Autor, ernste Themen mit Wärme und einer Mischung aus Tragik und Komik zu behandeln und die Lesenden in lockerem Schreibstil bestens zu unterhalten. Die groben, abwertenden „Neckereien“, die in Robs Familie ausgetauscht werden, wären allerdings nicht nötig. Sympathisch gezeichnet ist der witzige, selbstironische Ich-Erzähler. Am Schluss des raffiniert aufgebauten Buchs hält er eine Überraschung bereit, die das Geschehen in einem neuen Licht erscheinen lässt. Doris Lanz

Titel: Ich werde fliegen
Kollation: A. d. Amerikan., geb., 366 S.
Verlag, Jahr: Heyne, 2019
ISBN: 978-3-453-27203-3
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 13
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 31.07.2019
Ich werde fliegen
Lucy Adler ist in erster Linie Basketballerin. Natürlich ist die 17-Jährige auch Tochter, Cousine, Schülerin und eben langjährige Korbpartnerin von Percy. Leidenschaftlich gern besiegen sie andere Jungs und diskutieren nächtelang über französische Existenzialisten. Zunehmend fühlt sie sich wie eine Art Gender-Nomadin: zu muskulös, als dass Percy sie auch als Frau wahrnähme – zu weiblich, um sportlich zu brillieren.
> Die Protagonistin erzählt direkt, scharfsinnig und verletzlich. Lucy stösst sich am gängigen Frauenbild: hübsch, passiv und statisch – im Gegensatz zur athletischen Statue „The Falconer“ im Central Park: So lautet auch der Originaltitel. Zwei wichtige Nebenrollen in diesem Crossover-Roman nehmen das New York der 90er-Jahre und Basketball ein. Wie Lucy beide wahrnimmt und schildert, darin zeigt sich die schmerzvolle Entwicklung der Heldin. Der Basketball-Slang und die Amerikanismen wirken dabei etwas umständlich. Eine berührende Geschichte über den Warteraum Adoleszenz. Nathalie Fasel

Titel: The Hate U Give
Kollation: A. d. Amerikan., Broschur, 508 S.
Verlag, Jahr: cbt, 2019
ISBN: 978-3-570-31298-8
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Identität, Rassismus
Alter: junge Erwachsene
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 16.05.2019
The Hate U Give
Starr ist 16, schwarz, wohnt mit ihrer Familie im Ghetto und besucht eine weisse Privatschule. Nach einer Party in der „Hood“ wird ihr Jugendfreund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen. Landesweit wird über seinen Tod berichtet, er wird als potenzielles Gangmitglied und Drogendealer abgestempelt – doch er war unbewaffnet, und das weiss nur Starr.
> Das durch den Rapper Tupac bekannt gewordene Akronym „THUG Life“ ist der rote Faden durch den Roman, welcher kontrovers diskutiert wird. Die Presse lobt den Erstling wegen seiner sozialen und politischen Message – für Europäer wird ein aktuelles Bild des schwarzen Amerika gezeichnet. Viele Jugendliche können sich mit der subtil gezeichneten Starr identifizieren. Andere Rezensenten finden die Charaktere zu eindimensional. Doch der jugendliche Schreibstil fasziniert – am Sprachgebrauch wird die Zerrissenheit der Protagonistin deutlich: mal weiss angepasst, mal schwarzer Gang-Slang. Ein Must-read! Das Buch wurde 2018 verfilmt. Nathalie Fasel